Montag, 9. September 2013

Todesfalle Sand

In einem der größten Wattgebiete der britischen Inseln, der Morecambe Bay, ereignete sich am 5. Februar 2004 ein tödlicher Vorfall. Das Naturparadies im Nordwesten Englands zeichnet sich durch häufig auftretende Nebelschwaden, ein Labyrinth von Prielen und einer schnell ankommenden Flut aus. Die tödliche Gefahr liegt dort jedoch im Boden. Genauer gesagt, im Sand.

Am 5. Februar kehrten von rund 40 Muschelsammlern nur 15 Menschen lebend zurück. Die Erde auf der sie wanderten, wurde ihnen zum Verhängnis. Über die Hälfte der Menschen blieben im Treibsand der Morecambe Bay stecken und konnten sich nicht mehr befreien. Zwar versanken sie nicht gänzlich, aber so tief, dass sie der nahenden Flut nicht mehr entkommen konnten. Auch die über das Handy gerufene Polizei kam für die meisten der Steckengebliebenen zu spät. Nur einen konnten sie noch aus dem Treibsand befreien. 14 konnten sich selbst retten. Die übrigen ertranken oder starben an Unterkühlung im eiskalten Wasser.

Im Treibsand versinkt man nicht vollständig. Man sinkt in die scheinbar feste Oberfläche des Treibsandes ein, deren eigener Auftrieb aber dem kompletten Absinken entgegenwirken. Auch sind die Treibsandschichten oft nur einige Dezimeter dick. Treibsand kommt nicht nur in Wattgebieten vor, sondern auch in Flüssen, Seeufern oder Kiesgruben.

Treibsand ist wassergesättigtes, locker gelagertes Sediment. Erst unter der Last eines Menschen verwandelt er sich in ein Gemisch aus Wasser und Sandkörnern, aus dem man sich nur schwerlich befreien kann. Er weist ein Gefüge auf, das aus bis zu 70% mit Wasser gefüllten Poren besteht. Bei Belastung wird das Wasser freigesetzt und verbindet sich mit den umliegenden Sandkörnern zur tödlichen Falle.

Wer im Treibsand versinkt sollte sich möglichst wenig bewegen. Je mehr man mit den Beinen strampelt desto schneller versinkt man in der sandigen Masse. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen